Wie gelingt die persönliche Energiewende im eigenen Zuhause? Und welche Wege führen weg von fossilen Brennstoffen hin zu Unabhängigkeit und Kosteneffizienz? Diese aktuellen Fragen standen im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, zu der die GRÜNEN Florstadt kürzlich eingeladen hatten. Die Sprecherin des Ortsverbandes, Gudrun Neher, konnte hierzu zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger begrüßen.
Ein „Energiepionier“ blickt auf 40 Jahre Wärmepumpe zurück
Als Hauptreferent des Abends teilte Manfred Müller aus Stammheim seine jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen. Müller darf mit Fug und Recht als echter „Energiepionier“ bezeichnet werden: Bereits im Jahr 1984 baute er sein Haus mit der Vision, einmal komplett autark zu sein. Damals installierte er eine der ersten Wärmepumpen überhaupt – kombiniert mit einer Fußbodenheizung. Ein Konzept, das von den Nachbarn anfangs argwöhnisch belächelt wurde.
Doch der Erfolg gibt ihm recht: „Die Fußbodenheizung ist seit über 40 Jahren immer noch absolut dicht“, berichtete Müller stolz. Beeindruckend ist vor allem der technologische Quantensprung. Lag die Effizienz seiner Anlage 1984 noch bei einem Wert von 2,9, so erreichen moderne Anlagen heute Spitzenwerte von knapp 5 kW (aus 1 KW Strom werden ca. 5 kW Wärme). Durch diese enormen Leistungssteigerungen machen Austausch oder Ergänzung auch im Altbau oder bei bestehenden Öl- und Gasheizungen absolut Sinn – zumal aktuelle staatliche Förderungen von 30 bis zu 70 % den Umstieg finanziell stark unterstützen. Ergänzt wird Müllers System durch eine ca. 9 m² große Thermosolaranlage zur Warmwasserbereitung.
Balkonkraftwerke: Höhere Effizienz, sinkende Preise
Ein weiteres großes Thema des Abends waren Balkonkraftwerke, bei denen Müller besonders auf die moderne „bifaziale“ Technik verwies. Diese zweiseitigen Module nutzen auch reflektiertes Licht auf der Rückseite und steigern den Ertrag deutlich. Durch diese Effizienzsprünge bei gleichzeitig massiv fallenden Preisen in den letzten zwei Jahren haben sich die Amortisationszeiten drastisch verkürzt. Im Optimalfall kann sich eine solche Kleininvestition bereits nach 9 Monaten Betriebszeit bezahlt machen, sodass man – je nach Speichermöglichkeit – schon nach kürzester Zeit schwarze Zahlen schreibt.
Müllers eigene Bilanz untermauert das: Durch die Kombination aus Wärmepumpe und Solarthermie wirft seine Stromrechnung beim Versorger OVAG mittlerweile ein Guthaben ab – inklusive des Ladens des eigenen E-Fahrzeugs. Das Thema E-Mobilität (Preisentwicklung, Förderung und finanzielle Vorteile) konnte aufgrund seiner Komplexität an diesem Abend jedoch nur am Rande gestreift werden und wurde offiziell auf die nächste Veranstaltung vertagt.
Unabhängige Beratung nutzen – Vorsicht bei der Online-Suche
Das Innovationstempo ist hoch, die Möglichkeiten für unabhängige Informationen sind so gut wie nie zuvor. Als neutrale Anlaufstellen wurden die LEA LandesEnergieAgentur Hessen (mit Info-Ständen und ehrenamtlichen Sprechtagen), die Verbraucherzentralen sowie die Stiftung Warentest empfohlen.
Wichtiger Verbrauchertipp: Bei Suchmaschinen im Netz ist Vorsicht geboten. Die ersten Treffer sind meist gesponserte Werbeseiten mit reinem Verkaufsinteresse. Für Bürgerinnen und Bürger in Florstadt gibt es zudem kurze Wege: Lokale Energieberater stehen direkt in der eigenen Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung.



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